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Herrmann und Ilse

Hallo Besucher, schön dass du hier hergefunden hast. Ich hoffe dir gefällt was du hier liest und schaust ab sofort öfter vorbei. Viel Spass! Daniel

Herrmann sass am Tisch und beschmierte seine Stulle mit Butter, während Ilse noch die selbstgemachte Marmelade aus dem Schrank holte. Sie stellte sie auf den reichlich gedeckten Frühstückstisch. Das war Herrmanns Einsatz: “Ah, die gute Marmelade, schmeckt noch immer so wie damals, als du sie das erste mal gemacht hast.” Es war Pflaumen Marmelade. Herrmann mochte zwar Pflaumen, aber keine Pflaumen Marmelade. Oft hatte er nach einer Gelegenheit gesucht um es Ilse zu sagen. Doch nach 30 Jahren Marmelademärthyrium war der Zug abgefahren. Ilse jetzt aufzuklären, würde ihr das Herz brechen.

Herrmann nahm es wie ein Mann und ass seine Stulle mit Pflaumen Marmelade. Er wusste was Hunger bedeutete. 43 im Kessel hatte er es am eigenen Leib erlebt. Mit 60g Brot am Tag hatte er bei Wind und Wetter ausharren müssen. Mit seinen starren kalten Händen hatte er trotzdem das Gewehr gehalten und geschossen. “Wenn es ums nackte Überleben geht und dort draußen Menschen sind die dich umbringen wollen, dann ist es egal ob du töten musst um zu überleben.”, dachte er und nickte. “Da ist Pflaumen Marmelade das kleinste Problem”.

Er schaute zu Ilse und biss in seine Pflaumen Marmelade Stulle. Ilse wetterte gerade gegen die Nachbarin die gegenüber eingezogen war. Herrmann sah zwar wie Ilses Mund sich bewegte, aber viel bekam er nicht mit. Ihm hatte damals schon das Kesselfieber nicht viel anhaben können. Er hatte gelernt wegzuhören. Manchmal kam ihm Ilses Gewäsch schlimmer vor als die Propaganda der Russen. Das  Ticken einer Uhr stellte ihm heute noch die Nackenhaare auf. Es war eine schlimme Zeit gewesen damals. Doch als er aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, war Ilse für ihn da. Sie hatte ihm durch die schweren Nächte geholfen, als er schweißgebadet senkrecht im Bett stand und wie ein kleines Kind geweint hatte. Er griff zur nächsten Stulle und beschmierte sie mit Butter und Pflaumen Marmelade. Ilse hatte aufgehört zu reden und lächelte ihn an. Herrmann sah die Freude in Ilses Augen und biss genüsslich in seine Pflaumen Marmelade Stulle.

Schlaflos #2 – Eine Kurzgeschichte in mehreren Teilen

Teil 1

Ich drehte mich gerade wieder auf die andere Seite, als ich bemerkte, dass meine Wanduhr erstarrt war. Ihre Zeiger, die sich sonst unermüdlich drehten, hielten inne. Ich lachte. Schien es doch, als sei ich nicht der einzige der überarbeitet war und mal etwas Ruhe benötigte. Doch plötzlich verging mir das Lachen. Ich erinnerte mich daran, dass ich gestern erst ein Päckchen neue Batterien besorgt und mit Sorgfalt eingesetzt hatte. Trotzdem stand sie so still wie eine Wache am Tor des Buckingham Palace. Und nicht nur das. Mein Radiowecker und mein Fernseher waren ebenfalls tot. Die LED meines Handys, welches sich in der Ladestation befand, blinkte nicht. Es fand kein Ladevorgang statt.

Konnte es ein Stromausfall sein? Aber dann wäre meine Uhr ja nicht stehen geblieben. Um meine Stromausfall-These zu überprüfen stand ich auf und ging zum Fenster. Die Gardinen waren zugezogen. Ich zog sie mit einem heftigen Ruck auf. Das Licht der Laternen zerschnitt die erdrückende Dunkelheit. Meine Augen schweiften über die Häuser meiner Nachbarn. Vereinzelt war Licht in den Fenstern zu sehen. “Zumindest kein Stromausfall in meinem Block. Könnte auch nur bei mir sein”, dachte ich und zuckte mit den Schultern.

Die Gegend in der ich wohnte war schön. Schön und spießig. Eigentlich passte ich nicht in den kleinen Vorort mit Familienidylle rein. Jedes Haus sah gleich aus und auch die Menschen darin ähnelten sich. Ich fragte mich ob ich auch mal so sein würde. Die Geräusche eines näherkommenden Autos rissen mich aus meinen Gedanken. Es fuhr auf die Einfahrt des gegenüberliegenden Hauses. Das Tor der Garage öffnete sich, um kurz darauf das Auto zu verschlingen. Im Haus ging nach und nach Licht an. Es fiel mir also leicht den Weg der Person zu verfolgen. Als letztes ging das Licht im Badezimmer im 1. Stock an. Das Fenster öffnete sich und ich sah eine junge Frau in Sportbekleidung.

Schlaflos #1 – Eine Kurzgeschichte in mehreren Teilen

Die Wärme legte sich wie eine Steppdecke über die Stadt. Ich lag in meinem Bett im 1. Stock meines Hauses und versuchte zu schlafen. Die drückende Wärme machte mir seit 2 Stunden einen Strich durch die Rechnung. Sie war unerträglich. Mein Ventilator hatte schon vor Tagen den Dienst verweigert. Einen neuen hatte ich bisher nicht anschaffen können. Zu viel zu tun. Das neue Projekt auf Arbeit verlangte meine ganze Aufmerksamkeit. Mein Job hatte mich seit langer Zeit nicht so gefesselt. Aber jetzt war ich wieder Feuer und Flamme.

Peter Jakob, der Chef der Firma in der ich arbeitete, hatte mich zum Projektleiter ernannt und mir somit endlich gezeigt, dass ich nicht nur ein kleines Rädchen im System war. Meine Anstrengungen hatten Früchte getragen. Jetzt, nach 10 Jahren schien es endlich so, als würde ich die Karriereleiter hinauf klettern.

Doch zu welchem Preis? Ich war mehr auf Arbeit als zu Hause. Schlief dort sogar von Zeit zu Zeit vor Erschöpfung ein und aß kaum einen bissen. Und wenn der Hunger dann zu groß wurde, musste es schnell gehen. Vom Vielen Fast Food hatte sich mein Bachumfang in den letzten Wochen vergrößert. Mir fehlte die Zeit um Abends noch schnell ins Fitnesstudio zu gehen. Und auch wenn mich der Stress schon körperlich und geistig belastete:  an Urlaub war nicht zu denken. Zu wichtig war dieses Projekt: Für mich, weil ich hoffte, endlich Karriere zu machen, für unsere Investoren, um am Ende den Profit einzufahren.